
Online-Kurs erstellen: Was du wirklich brauchst (und was nicht)
Online-Kurs erstellen - der Traum vieler Selbständiger, denn es ist verknüpft mit weiteren wunderschönen Dingen, die sich viele Selbständige wünschen
- weniger mit Menschen zu arbeiten
- seinen Umsatz zu erhöhen
- passives Einkommen
- finanzielle Freiheit
- sorgenfreies Leben!
Und ja, das kann passieren: Online-Kurse werden erfolgreich verkauft, heute genauso wie vor zehn Jahren. Das Format funktioniert immer noch.
Doch nur unter bestimmten Voraussetzungen, ansonsten gleicht dein Online-Kurs eher einer Restauranteröffnung, ohne vorher zu planen, was serviert werden soll, für welche Menschen, in welcher Location, an welchen Tagen oder zu welcher Uhrzeit.
Schlimmstenfalls ist die Küche dann geplant, der Herd gekauft und die Speisekarte gedruckt: ein Zwölf-Gänge-Degustationsmenü mit internationalen Weinen, empfohlen von einem Sommelier.
Also mehrere Monate Arbeit, Herzblut, Kraft und Energie nebst mehreren zehntausend Euro, die du darin investiert hast.
Dann kommt endlich der erste Abend. Die Gäste sind müde, wollen schnell satt werden und lassen die Hälfte der Gänge stehen. Oder sie kommen erst gar nicht, weil sie die Karte nicht verstehen und nix nach dem klingt, worauf sie jetzt Appetit hätten.
Das Problem war weder die Küche noch die Location. Das Problem war, dass nie geklärt wurde, was die Gäste wirklich wollen und wie viel.
- Ein Online-Kurs ist ein Skalierungsformat, kein Einsteigerformat
- Voraussetzung: Du kennst deine Zielgruppe genau und weißt, was sie alleine umsetzen kann
- Der Mitgliederbereich ist schnell gestartet, aber nie fertig. Der Kurs braucht Monate, ist dann aber ein Produkt
- Der Zwischenschritt: verpacke das Material, das du deinen 1:1 Kundinnen sowieso gibst
- Der Preis richtet sich nach dem Ergebnis, nicht nach der Anzahl der Videos
- Der größte Fehler: alles bauen und dann hoffen, dass jemand kauft
In diesem Artikel erfährst du:
- Was ein Online-Kurs ist und wie er sich vom Mitgliederbereich unterscheidet
- Wann das Format wirklich sinnvoll ist, und wann nicht
- Welchen Zwischenschritt fast niemand nennt, obwohl er das Risiko fast auf null senkt
- Was ein Kurs dich wirklich kostet, an Zeit und an Geld
- Wie du den Preis festlegst und welche Technik du tatsächlich brauchst
Was ist ein Online-Kurs und was unterscheidet ihn vom Mitgliederbereich?
Übersicht
- Was ist ein Online-Kurs und was unterscheidet ihn vom Mitgliederbereich?
- Wann ist es sinnvoll, einen Online-Kurs zu erstellen?
- Der Zwischenschritt zwischen 1:1 und Online-Kurs
- Wann ist ein Online-Kurs keine gute Idee?
- Welche Vorteile und Nachteile hat das Format?
- Was kostet dich ein Online-Kurs wirklich, an Zeit und an Geld?
- Wie setzt du den Preis für deinen Online-Kurs?
- Welche Technik brauchst du wirklich?
- Für wen funktioniert das Format und für wen nicht?
- Kannst du Online-Kurs und Mitgliederbereich kombinieren?
- Fazit
- Drei Fragen zum Nachdenken
- Häufige Fragen
- Wie lang muss ein Online-Kurs sein?
- Kann ich einen Online-Kurs verkaufen, bevor er fertig ist?
- Wie viele Kundinnen brauche ich, bevor ein Kurs sinnvoll ist?
- Was mache ich, wenn niemand den Kurs kauft?
- Brauche ich professionelle Videoausrüstung?
- Lohnt sich ein Mitgliederbereich, wenn ich nur wenige Kundinnen habe?
Ein Online-Kurs ist ein strukturiertes Lernprogramm, das du einmal erstellst und das deine Kundinnen eigenständig durcharbeiten. Er führt von einem klaren Startpunkt zu einem klaren Ergebnis, ohne Live-Termin und ohne deine Anwesenheit. Wer einen Online-Kurs erstellen will, baut also ein Produkt, keine Betreuung.
Ein Mitgliederbereich ist das Gegenteil davon: ein geschlossener Bereich mit laufend neuen Inhalten und einer Community, für den monatlich gezahlt wird. Kein definiertes Ende, dafür ein dauerhaftes Versprechen. Stell dir den Kurs als Kochbuch vor und den Mitgliederbereich als wöchentliche Kochgruppe.
Daraus folgt der wichtigste Unterschied, den fast alle unterschätzen: Ein Kurs ist ein Produkt. Ein Mitgliederbereich ist eine Dienstleistung. Das eine wird irgendwann fertig, das andere nie.
Merke: Ein Online-Kurs verkauft kein Wissen, er verkauft ein Ergebnis, das jemand alleine erreicht.
Wann ist es sinnvoll, einen Online-Kurs zu erstellen?
Das Format passt, wenn du deine Zielgruppe schon kennst. Wenn du weißt, welches Problem sie hat, mit welchen Worten sie darüber spricht, was sie braucht, um von A nach B zu kommen, und ob sie das alleine schafft.
Denn genau das ist die entscheidende Frage: Kann deine Zielgruppe das Ergebnis eigenständig erreichen?
Viele kaufen einen Kurs und stehen bei Modul 3, weil das Leben dazwischenkommt, weil sie alleine nicht weiterwissen, weil sie jemanden brauchen, der ihnen Händchen hält. Trifft das auf deine Zielgruppe zu, ist ein begleitetes Format die bessere Wahl.
Ein Online-Kurs ist dann sinnvoll, wenn:
- Du bereits im 1:1 oder in Gruppen gearbeitet hast und weißt, wo Menschen wirklich hängen
- Deine Zielgruppe selbstorganisiert arbeitet
- Das Thema klar strukturierbar ist, mit definiertem Start und Ende
- Der Kurs Teil deines Angebotssystems ist, nicht dein einziger Umsatzkanal
Kurz gesagt: Erst Erfahrung mit echten Kundinnen, dann skalieren. Nicht umgekehrt.
Der Zwischenschritt zwischen 1:1 und Online-Kurs
Das ist der am meisten unterschätzte Weg überhaupt. Du musst nicht zwischen „nur 1:1" und „großer Kurs" wählen. Zwischen beidem liegt etwas, das du wahrscheinlich schon längst besitzt.
Denk an die Dinge, die du in jeder Zusammenarbeit erklärst. Dieselbe Vorlage, dieselben drei Grundlagen, derselbe Ablauf, jedes Mal neu erzählt. Genau das ist Kursmaterial, und zwar erprobtes.
Variante A: erprobtes Material verpacken
Journal-Vorlagen, Rezepte, Checklisten, Ablaufpläne, Übungen. Alles, was deine 1:1 Kundinnen ohnehin von dir bekommen, weil es für ihren Erfolg zentral ist, bündelst du zu einem kleinen, klar abgegrenzten Kurs. Deine Kundinnen bekommen ihn weiterhin dazu, gleichzeitig kannst du ihn einzeln verkaufen. Du baust nichts Neues, du sortierst das, was sich bewährt hat.
Variante B: Workshop-Aufzeichnung mit Unterlagen
Ein Workshop, den du drei oder vier Mal live gehalten hast und der jedes Mal funktioniert hat. Die Aufzeichnung plus Unterlagen plus die echten Fragen aus den Live-Runden. Diese Q&As sind das eigentliche Gold, weil sie die Einwände enthalten, die du dir nie hättest ausdenken können.
Der Vorteil ist strukturell, nicht nur finanziell, denn du baust nicht auf Annahmen, sondern auf validiertem Material. Der Umsatz ist kleiner, das Risiko fast null. Und du lernst zum ersten Mal, wie Menschen ohne dich mit deinem Material umgehen. Genau diese Information fehlt allen, die direkt mit dem großen Kurs starten.
Um im Bild zu bleiben: Bevor du das Restaurant eröffnest, verkaufst du erst mal an einem Marktstand ein Gericht, das du sicher beherrschst.
Auf den Punkt gebracht: Der günstigste Kurs ist der, den du im Grunde schon geschrieben hast.
Wann ist ein Online-Kurs keine gute Idee?
Hier kommt der Teil, den die meisten nicht hören wollen.
Wenn du gerade erst startest und noch keine klare Zielgruppe hast, ist ein Online-Kurs der falsche erste Schritt. Du weißt noch nicht, was sie braucht, welche Worte sie nutzt, wo sie hakt. Ein Kurs, der auf Annahmen gebaut ist, verkauft sich nicht, egal wie sauber die Technik aussieht.
- Du hast das Thema noch nie mit zahlenden Kundinnen durchgearbeitet
- Du planst den Kurs, weil du dringend Umsatz brauchst
- Du kannst das Ergebnis nicht in einem Satz benennen
- Du hast keine Idee, wem du den Kurs am ersten Verkaufstag zeigen würdest
- Deine Zielgruppe steckt in akuten Krisen oder braucht Struktur von außen
Ergo: Finger weg als allererstes Produkt. Erst Kundinnen, dann Kurs.
Du willst ein unwiderstehliches Angebot?
Erstelle das Angebot, zu dem man nicht Nein sagen kann.
das will ich habenWelche Vorteile und Nachteile hat das Format?
Vorteile:
- Skalierbar, du verkaufst dieselben Inhalte beliebig oft
- Passives Einkommen ist möglich, wenn Kurs und Verkauf stehen
- Keine zeitliche Bindung an einzelne Kundinnen
- Positioniert dich klar in deinem Thema
- Lässt sich gut mit Begleitung als Upsell kombinieren
Nachteile:
- Hoher Aufwand in der Erstellung, besonders technisch
- Ohne Eigeninitiative der Teilnehmenden passiert nichts
- Niedrige Abschlussraten bei reinen Selbstlernkursen, also Kursen ohne jede Begleitung
- Braucht eine Verkaufsstrategie, der Kurs verkauft sich nicht von selbst
- Ungeeignet für Zielgruppen, die Begleitung brauchen
Fazit: Ein Online-Kurs ist kein passives Einkommen ab Tag eins. Er ist ein Produkt, das einen Vertrieb braucht.
Was kostet dich ein Online-Kurs wirklich, an Zeit und an Geld?
Hier lohnt der direkte Vergleich, weil er die Entscheidung oft schon trifft.
Einen Mitgliederbereich kannst du an einem Nachmittag starten und morgen verkaufen. Der Einstieg ist billig. Der Preis dafür: Du bist nie fertig. Solange Mitglieder zahlen, lieferst du. Das ist eine Dienstleistung mit Abo-Etikett.
Ein Online-Kurs dreht das um. Vorher steht die ganze Arbeit: planen, strukturieren, aufnehmen, schneiden, testen, aufbauen, verkaufen. Das sind selten Wochen, meistens Monate. Dafür ist er danach ein Produkt, das dich nicht mehr jeden Monat einfordert.
Dazu kommen die harten Kosten: Kursplattform, Mikrofon, eventuell Schnitt, Email-Tool, Verkaufsseite. Kalkuliere sie ein, bevor du anfängst, nicht danach.
Kurz & knapp: Der Mitgliederbereich kostet dich Zukunft, der Kurs kostet dich Vorleistung.
Wie setzt du den Preis für deinen Online-Kurs?
Deine Kundin kauft keinen Kurs. Sie kauft ein Ergebnis.
Deshalb ist die Länge des Kurses der falsche Maßstab. Genauso die Anzahl der Videos, die Zahl der Module oder wie hübsch die Plattform aussieht. Nichts davon ist der Grund, warum jemand zahlt.
Der Preis richtet sich nach dem Wert des Ergebnisses. Ein Kurs, der jemandem hilft, künftig bessere Preise durchzusetzen, ist mehr wert als einer, der ein nettes Extra wie Landingpage optimieren beibringt, selbst wenn der zweite dreimal so lang ist.
Und wenn Begleitung dabei ist, darf der Preis über diesen Zeitraum verteilt werden. Ratenzahlung ist dann kein Rabatt, sondern spiegelt, wie lange du wirklich lieferst.
Merke: Preis nach Ergebnis, nicht nach Aufwand. Dein Aufwand interessiert deine Kundin nicht.
Welche Technik brauchst du wirklich?
Die gute Nachricht: nicht alles auf einmal.
Eine Kursplattform ist die Software, in der deine Inhalte geschützt liegen und deine Teilnehmerinnen sich einloggen, zum Beispiel Elopage, Teachable, Thinkific, Google Classroom, ThriveCart oder eine Lösung direkt in deiner Website. Ein Email-Tool mit Automatisierung verschickt Zugänge und Nachfassmails automatisch, damit du das nicht von Hand machst.
Was du brauchst:
- Eine Kursplattform, die zu deiner Zielgruppe und deinem Können passt
- Videoaufnahmen, per Kamera oder Screencast. Ein gutes Mikrofon ist wichtiger als eine gute Kamera
- Ein Email-Tool für Zugänge, Erinnerungen und Nachfassen
- Eine Verkaufsseite, die das Ergebnis erklärt, nicht den Inhalt auflistet
Die teuerste Variante ist nicht die beste. Fang mit dem an, was du beherrschst oder dir am leichtesten fällt und baue aus.
Kurz gesagt: Technik dient dem Inhalt. Erst den Kurs durchdenken, dann die Plattform wählen.
Für wen funktioniert das Format und für wen nicht?
Deine Zielgruppe muss zwei Dinge mitbringen:
- die Motivation, eigenständig zu lernen,
- und die Fähigkeit, das Ergebnis ohne deine Begleitung zu erreichen.
Das schließt bestimmte Menschen aus und das ist keine Wertung. Wer in einer akuten Krise steckt, braucht Begleitung, keine Module. Wer Veränderung will, aber ohne äußere Struktur nicht ins Tun kommt, braucht ein interaktives Format.
Gut geeignet sind Zielgruppen, die:
- selbstorganisiert arbeiten können
- bereit sind, in ihr Wissen zu investieren
- ein konkretes, abgrenzbares Problem haben
- keine persönliche Begleitung brauchen, um anzufangen
Fazit: Kenne deine Zielgruppe, bevor du baust. Dann bau genau das, was sie nutzen kann.
Kannst du Online-Kurs und Mitgliederbereich kombinieren?
Ja und oft ist das die klügste Variante.
Du verkaufst den Kurs zum Festpreis und legst 30 oder 60 Tage Zugang zu einer begleiteten Runde dazu: eine monatliche Live-Session, ein Raum für Fragen, Austausch unter den Teilnehmerinnen. In dieser Zeit erlebst du direkt, wo Menschen im Kurs steckenbleiben.
Danach entscheiden die Teilnehmerinnen selbst, ob sie für einen kleineren monatlichen Betrag weiter dabei bleiben. Wer fertig ist, geht. Wer weiter Begleitung will, bleibt.
So bekommst du beides: das Produkt, das ohne dich funktioniert und die laufende Verbindung, die dir zeigt, was dein Kurs noch braucht.
Auf den Punkt gebracht: Der Kurs liefert das Ergebnis, die Begleitung sorgt dafür, dass es ankommt.
- Erst Kundinnen, dann Kurs. Nie umgekehrt.
- Verpacke, was schon getestet ist, bevor du Neues baust.
- Der Preis folgt dem Ergebnis, nicht dem Aufwand.
- Ein Kurs ohne Verkaufsweg ist ein Hobby.
Fazit
Einen Online-Kurs erstellen kann ein starker Teil deines Angebotssystems sein. Skalierbar, unabhängig von deiner Zeit, einmal gebaut und immer wieder verkäuflich.
Er ist aber keine Abkürzung und kein Einsteigerformat. Er braucht Vorarbeit: Kundenverständnis, Klarheit über das Ergebnis, einen Verkaufsweg und eine realistische Technikplanung.
Und wenn dir das gerade zu groß ist: Fang mit dem Material an, das du sowieso jedes Mal weitergibst. Das ist der kleine, sichere Schritt, der dir alles zeigt, was du für den großen brauchst.
Mehr zum Aufbau deines gesamten Angebotssystems findest du hier: Angebote entwickeln & verkaufen — so baust du ein funktionierendes Angebotssystem
Drei Fragen zum Nachdenken
- Welches Material gibst du deinen Kundinnen immer wieder, ohne es je als Produkt gedacht zu haben?
- Kann deine Zielgruppe das Ergebnis eigenständig erreichen, oder braucht sie Begleitung?
- Weißt du heute schon, wem du den Kurs am ersten Verkaufstag zeigen würdest?
Häufige Fragen
Wie lang muss ein Online-Kurs sein?
So lang, wie das Ergebnis es verlangt, und keine Minute länger. Ein Kurs mit vier fokussierten Lektionen, die zum Ziel führen, ist stärker als zwanzig Videos, die niemand zu Ende schaut. Länge ist kein Qualitätsmerkmal.
Kann ich einen Online-Kurs verkaufen, bevor er fertig ist?
Ja, und das ist oft der sinnvollere Weg, sofern du das Thema schon mit echten Kundinnen durchgearbeitet hast. Du verkaufst eine erste Runde und erstellst die Inhalte parallel, während die Teilnehmerinnen mitlaufen. Du bekommst Feedback, während du baust, und keine Kosten für etwas, das niemand wollte.
Wie viele Kundinnen brauche ich, bevor ein Kurs sinnvoll ist?
Es gibt keine feste Zahl, aber eine gute Faustregel: Du solltest dasselbe Ergebnis mindestens fünf bis zehn Mal individuell begleitet haben. Dann kennst du die Stolperstellen, die dir kein Marktforschungstool verrät.
Was mache ich, wenn niemand den Kurs kauft?
Zuerst prüfen, ob überhaupt genug Menschen davon wissen. In den meisten Fällen ist es kein Produktproblem, sondern ein Marketingproblem. Erst danach lohnt es, das Angebot selbst zu hinterfragen.
Brauche ich professionelle Videoausrüstung?
Nein. Ein ruhiger Raum, gutes Licht am Fenster und ein solides Mikrofon reichen. Schlechter Ton lässt Menschen aussteigen, mittelmäßiges Bild nicht.
Lohnt sich ein Mitgliederbereich, wenn ich nur wenige Kundinnen habe?
Meist nicht. Ein Mitgliederbereich lebt vom Austausch, und der entsteht erst ab einer bestimmten Gruppengröße. Bei kleinen Zahlen sind begleitete Runden mit klarem Start und Ende sinnvoller.